Kategorien
Land und Leute

Im Wald grüßt man sich

Karte Halden-Hügel-Hopping HN Haard und Oer
Grundlage meiner Reise: Punkt 3 – der Parkplatz zwischen dem Maritimo und dem Friedhof in Oer-Erkenschwick.

Das tolle Herbstwetter der letzten Tage musste einfach genutzt werden: Somit habe ich mich heute auf gemacht, den höchsten Berg im schönsten Kreis der Welt zu erklimmen – den Stimberg. Ein schöner, abseits der Wege auch sehr stiller Ort – und das direkt vor unserer Haustür.

Los ging es am Stimbergpark in Oer-Erkenschwick – der Landstraße Richtung Ahsen ein wenig folgend, dann links die Panzerstraße hoch zum Stimberg. Der Stimberg, der hier für die gesamte Stadt Namensgeber ist (Stimbergpark, Stimbergzeitung, Stimbergstadion,….), ragt rund 155m über dem Meeresspiegel hinaus. Ganz oben als Landmarke steht ein Fernmeldeturm, der bis Anfang der 90er als Radaranlage fungierte. Wären im Kalten Krieg Raketen aus dem Ostblock in den Luftraum der NATO eingedrungen, hätte die Radarstation auf dem Stimberg diese erfasst und die Luftabwehrraketen am Jammertal wären zur Verteidigung aufgestiegen. Große Weltpolitik quasi umme Ecke – gut das die Zeiten vorbei sind!

Der Fernmeldeturm auf dem Stimberg

Oben neben dem Fernmeldeturm überrascht ein kleines, aber feines Naturschutzgebiet – die Stimberghöhe. Typisch für dieses Gebiet auf der Hochfläche sind Quarzit-Steine in Knollenform. Das Gebiet ist eingezäunt und wird von der Tour umrundet. Damit werden sowohl die Gesteine als auch die damit verbundene Vegetation und Tierwelt geschützt. Etwas weiter oben steht dann doch noch eine Infotafel „zum Anfassen“ an der Straße. An der Rückseite des Schutzgebietes stoßen wir auf den Teufelsstein. Es handelt sich um einen einzigen großen Quarzit-Block.

Oben die Quarzit-Steine, unten der Teufelsstein

Mein nächstes Ziel war der Stollenmund (auf der Karte Nummer 5) – und hier wurde ich dafür bestraft, den Teufelsstein berührt zu haben: Ich habe mich verlaufen! Das Handynetz ließ nach, je tiefer in die Haard vorstieß und die Beschilderung des Hohe-Mark Stieg war nicht überall ersichtlich.

Tolles Panorama von hier oben – man sieht locker bis Hamm / Dortmund und in Ansätzen die ersten Hügel des Sauerlandes

Nachdem ich schon fast am Jammertal in Datteln war, fragte ich ganz klassisch nach dem Weg. Und ein netter Spaziergänger zeigte mir beherzt in seiner westfälischen Art den Weg: „Ach komm, da will ich auch mal wieder hin!“ Ein kurzweiliger Spaziergang mit einem rüstigen Rentner – ich war wohl komplett falsch, wir liefen rund 15 Minuten gemeinsam – mit Gesprächsthemen über die Schönheit des Waldes, den Tourismus in unserer Gegend und die vollen Autobahnen. Vom Hauptweg abgehend lag versteckt der Stollenmund, den ich alleine nie gefunden hätte!

Der Eingang ist schön rekonstruiert und im Innern hinter Gittern eine Statue der heiligen Barbara zu erkennen, der Schutzpatronin des Bergbaus. Man kann zum Stollenmund hinuntergehen. Die Figur wurde 1993 durch Auszubildende gefertigt.

Mein nächstes Ziel war der Feuermeldeturm (Karte Position 6) – doch hier verließ mich dann das Handynetz und mein Orientierungssinn. Des Weiteren bekam ich Hunger, und durch meine Extrarunden war ich schon weit hinter meinem gesteckten Zeitplan. Ich verließ also den Hohe-Mark-Stieg und orientierte mich an dem Wanderweg A2/A3. Gleiche Bezeichnung wie die Autobahnen, die ich ins Büro nehme, das kann nicht falsch sein.

Dort kam ich auch am Feuerwachturm vorbei (welch Überraschung), aber der Hunger war größer als das Bedürfnis noch einmal 200 Stufen zu erklimmen. Auch die Scheinzeche (Position 7) habe ich noch ausgelassen – man muss sich ja noch Ziele setzen.

Nach dem Marsch ging es noch in den Lady Grill in Oer-Erkenschwick, ein leckeres Jägerschnitzel war meine Belohnung für rund 15.000 Schritte.

Besonders positiv, neben der schönen Landschaft, war die Tatsache dass man sich im Wald grüßt wenn man sich begegnet. Etwas, das leider nicht mehr so gelebt und gepflegt wird – im Wald sagt man sich noch die Tageszeit. Sehr schön.

Kategorien
Mein Fußball

Herbsturlaub mit Paderborn

Hier feierte der TuS Paderborn-Neuhaus 1994 die Westfalenmeisterschaft. Foto: scp07.de

Es war der 21. Oktober 1992 – ein diesiger und verregneter Herbstmorgen in Scharbeutz. Ein Mittwochmorgen, wie er zuhauf in diesem kleinen beschaulichen Ferienort an der westdeutschen Ostseeküste stattfand. Tagein tagaus. Die Geschäfte öffnete langsam, die Touristenhändler schoben Ihre Verkaufsstände mit Postkarten und Zeitschriften aus allen Ecken der Republik vor ihre Geschäfte.

Scharbeutz in Schleswig-Holstein

Es war aber auch das Zeichen für mich – endlich – an die Fußballergebnisse zu kommen. 1992 war es im Urlaub noch gar nicht so einfach, an diese Ergebnisse zu kommen. Internet war nur etwas für Raumfahrtbehörden, Videotext war in Ferienwohnugnen noch kein Standard – und meine letzte Idee, eine fußballverrückte Großmutter auszurufen und nach den Ergebnissen zu fragen…. keine Chance, Omma guckte Tennis und wußte vielleicht noch wie der FC Schalke gespielt hatte.

Also musste ich im Alter von elf Jahren auf den Mittwoch warten – Mittwoch kam der neue Kicker heraus mit allen Ergebnissen der deutschen Oberligen. Zu der Zeit sorgte mein Ortsverein, die Spielvereinigung Marl, in der Oberliga für Aufmerksamkeit und spielte einen durchaus schönen Ball in der damals dritten Liga. Letzten Sonntag waren die Schwarz-Gelben vom Volkspark zu Gast beim TuS Paderborn-Neuhaus. Drei Tage auf ein Fußball-Ergebnis warten? Heute unvorstellbar! Heute kann ich auf Teneriffa am Krater der Teide stehen oder in West-Sibirien in Tobolsk im Café sitzen, ich bekomme zu jeder Zeit das Fußballergebnis, was mich interessiert. Auf einer der langen Taxifahrten von Tobolsk nach Tyumen zum Flughafen war Dank des guten mobilen Internets sogar das nahtlose Streamen eines Bundesligaspiels des FC Schalke 04 möglich (ok, das geht heutzutage nicht mal in Deutschland).

An besagtem Mittwochmorgen rannte ich nach dem Frühstück jedenfalls runter auf die Eingangsstraße an der rauhen Ostsee, links runter in Richtung damaliges Schwimmbad – vorm Kurpark dann der Zeitschriftenhändler meines Vertrauens in dieser Zeit. Ein Griff in die Zeitungsauslage zum Kicker, schnell die Amateurligen rausgesucht – Marl gewann 3:2 in Paderborn! Drei Tage warten hatten sich gelohnt.

Die Zeitung legte ich wieder weg, so viel Taschengeld gab es damals nicht. Aber Paderborn hatte für mich seitdem einen guten Klang. Neun Jahre später, wir spielten mit dem VfB Hüls gegen den Nachfolgeverein SC Paderborn, gewannen wir beide Spiele in dieser Saison. Der SC stieg in dem Jahr in die Regionalliga auf, mittlerweile spielen die Ostwestfalen in der Bundesliga. Der VfB kickt Sonntag in der Bezirksliga in Recklinghausen-Stuckenbusch, die Spielvereinigung Marl gibt es schon gar nicht mehr.

Früher war doch manches besser…